Warum externes Testing wirtschaftlicher ist als es scheint

Geschrieben von Dennis Schönig | Sep 2, 2026, 8:20:33 AM

 

Die wichtigsten Punkte

  • Ein höherer externer Tagessatz führt nicht automatisch zu höheren Gesamtkosten
  • Internes Testing umfasst weit mehr als Gehälter: Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, Recruiting, Einarbeitung, Arbeitsmittel und ungenutzte Kapazitäten gehören ebenfalls zur Rechnung.
  • Externe Testing-Partner stellen Know-how und Kapazität dort bereit, wo sie tatsächlich gebraucht werden.
  • Übernehmen Entwicklung oder Fachbereiche das Testing zusätzlich, wandern die Kosten häufig nur an eine weniger sichtbare Stelle.
  • Unabhängiges Testing erweitert die Perspektive und reduziert das Risiko, dass Annahmen ungeprüft bleiben.


Warum die interne Lösung zunächst günstiger aussieht

Die eigene Belegschaft ist bereits da. Der externe Dienstleister schickt eine Rechnung. Damit scheint die Sache entschieden: intern günstig, extern teuer.

Das ist eine verständliche Rechnung. Sie hat nur einen kleinen Fehler: Sie vergleicht sichtbare Kosten mit unsichtbaren.

Bei internen Mitarbeitenden zählen zum Gehalt auch Arbeitgeberkosten, Urlaub, Krankheit, Weiterbildung, Recruiting, Einarbeitung und Arbeitsmittel. Dazu kommt die Kapazität, die ein Unternehmen dauerhaft vorhalten muss, auch wenn gerade kein Release ansteht und kein umfangreicher Regressionstest wartet.

Beim externen Testing steht der Preis klar auf dem Angebot. Das macht ihn auffällig. Auffälligkeit ist allerdings keine Kostenart.

Entscheidend ist deshalb der Gesamtaufwand, mit dem die benötigte Testleistung verfügbar gemacht wird. Dazu gehören Kosten, Auslastung, Verfügbarkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und das Risiko, dass wichtige Testkompetenz gerade dann fehlt, wenn sie gebraucht wird.

Ein Tagessatz ist eine Zahl. Die wirtschaftliche Wirkung einer Testorganisation ist ein System.

 

Kapazität muss zum tatsächlichen Bedarf passen

Testing folgt selten einer gleichmäßigen Auslastung. In einer frühen Projektphase reichen wenige Testaktivitäten aus. Vor einem Release, nach einer größeren Änderung oder bei einer umfangreichen Regression kann der Bedarf innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen.

Für interne Teams entsteht daraus ein organisatorisches Dilemma. Werden Kapazitäten für Spitzen dauerhaft vorgehalten, entstehen in ruhigeren Phasen Überkapazitäten. Wird nur der normale Bedarf abgedeckt, fehlt Unterstützung genau dann, wenn das Risiko steigt.

Beides ist teuer. Das eine sieht nach Leerlauf aus, das andere nach Verzögerung, Überstunden oder reduzierter Testabdeckung.

Urlaub, Krankheit und Mitarbeiterwechsel verschärfen die Situation. In kleinen Teams reicht manchmal eine einzige Abwesenheit, damit Wissen, Verfügbarkeit oder die Fähigkeit zur Durchführung eines wichtigen Tests fehlen. Software nimmt darauf leider keine Rücksicht. Ein Release wartet selten aus Höflichkeit.

Ein passend aufgestellter Testing-Dienstleister kann solche Schwankungen abfedern. Je nach Bedarf lassen sich unterschiedliche Kompetenzen und Kapazitäten hinzunehmen, ohne dass jede Fähigkeit dauerhaft intern aufgebaut werden muss.

Unternehmen kaufen damit keine abstrakten Teststunden ein. Sie schaffen sich Flexibilität, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit. Genau diese Eigenschaften entscheiden oft darüber, ob Testing planbar bleibt oder zur Engstelle im Projekt wird.

 

Wenn Testing nebenbei stattfindet

Die günstigste Variante klingt oft besonders vernünftig: Entwicklung, Product Owner oder Fachbereich übernehmen das Testing einfach zusätzlich.

Auf dem Papier entstehen kaum neue Kosten. In der Organisation entstehen sie trotzdem.

Ein Entwickler, der Regressionstests durchführt, entwickelt in dieser Zeit keine neue Funktion. Ein Product Owner, der Testfälle nachhält, arbeitet in dieser Zeit weniger an Priorisierung und Produktentscheidungen. Eine Fachkraft aus dem Fachbereich, die ein System prüft, steht für ihre eigentlichen Aufgaben nicht vollständig zur Verfügung.

Die Kosten verschwinden also nicht. Sie wechseln nur den Ort. Und am neuen Ort tragen sie häufig keinen Preisaufkleber.

Das macht Opportunitätskosten so tückisch. In der Projektübersicht steht vielleicht weiterhin derselbe Personalaufwand. Unsichtbar bleiben verzögerte Anforderungen, verschobene Entscheidungen, weniger Entwicklungskapazität oder die zusätzliche Belastung einzelner Schlüsselpersonen.

Dass jemand verfügbar ist, bedeutet zudem nicht automatisch, dass die passende Testkompetenz vorhanden ist. Anforderungen müssen nachvollziehbar sein, Testfälle brauchen eine belastbare Abdeckung und Ergebnisse müssen so dokumentiert werden, dass Entscheidungen darauf aufbauen können.

Testing als Nebenaufgabe kann sinnvoll sein. Es sollte jedoch bewusst organisiert werden: mit klaren Verantwortlichkeiten, ausreichender Zeit, geeigneten Methoden und einer transparenten Bewertung der entstehenden Folgekosten.

 

Unabhängiges Testing erweitert die Perspektive

Kosten sind nur ein Teil der Entscheidung. Die organisatorische Unabhängigkeit des Testings beeinflusst ebenfalls die Qualität der Ergebnisse.

Entwicklung und Testing können im selben Team eng und produktiv zusammenarbeiten. Entwickler-Tests sind ein unverzichtbarer Bestandteil professioneller Softwareentwicklung. Sie prüfen, ob einzelne Komponenten technisch korrekt funktionieren.

Eine unabhängige Qualitätssicherung betrachtet zusätzliche Fragen: Wie verhält sich die Lösung im Geschäftsprozess? Welche Annahme wurde bisher nicht hinterfragt? Wo entsteht ein Risiko, wenn ein realer Anwender einen anderen Weg nimmt als im Design vorgesehen?

Wer eine Lösung entwickelt hat, kennt ihre geplante Funktionsweise sehr genau. Das ist für die Umsetzung wertvoll. Für die Prüfung kann es zugleich den Blick verengen. Man sieht leichter, was funktionieren sollte, und übersieht eher, was unter abweichenden Bedingungen passiert.

Unabhängiges Testing schafft hier eine zusätzliche Perspektive. Es betrachtet die Anforderungen, die technische Umsetzung und die Nutzung aus einer gewissen Distanz. Geschäftsprozesse werden aus Anwendersicht geprüft, Risiken unabhängig vom Entwicklungsaufwand bewertet und Unklarheiten früh sichtbar gemacht.

Die Entwicklung prüft, ob die Lösung funktioniert. Unabhängiges Testing prüft zusätzlich, wann, warum und unter welchen Bedingungen sie nicht funktioniert.

Das ist kein Misstrauensvotum gegenüber dem Entwicklungsteam. Es ist eine sinnvolle Trennung von Perspektiven. Auch ein Pilot sollte vor dem Abflug nicht allein bestätigen, dass das Flugzeug flugtauglich ist.

 

Nicht der Tagessatz entscheidet

Externes Testing ist nicht automatisch günstiger. Internes Testing ist ebenso wenig grundsätzlich teurer. Eine belastbare Entscheidung braucht eine vollständige Betrachtung.

Wer interne Personalkosten mit externen Tagessätzen vergleicht, lässt häufig wesentliche Faktoren unberücksichtigt:

  • Verfügbarkeit und Auslastung der benötigten Testkompetenz
  • Urlaub, Krankheit und Mitarbeiterwechsel
  • Recruiting, Einarbeitung und Weiterbildung
  • Kosten für Arbeitsmittel und Testinfrastruktur
  • Schwankender Kapazitätsbedarf vor Releases und bei Regressionstests
  • Opportunitätskosten in Entwicklung, Produktmanagement und Fachbereich
  • Risiken durch fehlende Unabhängigkeit oder eingeschränkte Testabdeckung
  • Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Testergebnisse

Die wirtschaftlich relevante Frage lautet daher nicht: „Was kostet eine Teststunde?“

Sie lautet: „Wie stellen wir die benötigte Softwarequalität wirtschaftlich, flexibel und unabhängig sicher?“

Diese Frage lässt mehrere Antworten zu. Ein internes Team kann die richtige Lösung sein. Ein externer Partner kann die richtige Lösung sein. Häufig ist eine Kombination sinnvoll, bei der interne Kenntnisse erhalten bleiben und externe Kapazität oder spezialisiertes Know-how gezielt ergänzt.

SAB ENGINEERING unterstützt Unternehmen dabei, diese Struktur passend zum tatsächlichen Bedarf aufzubauen. Bestehende Teams werden gezielt ergänzt. Definierte Testing-Aufgaben können unabhängig von der Entwicklung übernommen werden. Testmanagement, manuelles Testing, Testautomatisierung und Performance-orientierte Prüfungen lassen sich dabei schrittweise in bestehende Prozesse integrieren.

Der Ansatz bleibt pragmatisch: keine künstliche Trennung um ihrer Selbst willen, kein Austausch funktionierender Strukturen und kein Versprechen, dass eine einzelne Maßnahme alle Herausforderungen beseitigt. Im Mittelpunkt stehen klare Verantwortlichkeiten, effiziente Qualitätssicherung und eine Testorganisation, die auch dann funktioniert, wenn der Bedarf kurzfristig steigt.

Denn die günstigste Testorganisation ist selten diejenige mit dem niedrigsten sichtbaren Preis. Es ist diejenige, die Qualität, Kapazität und Risiko in ein vernünftiges Verhältnis bringt. Möglichst früh, möglichst nachvollziehbar und ohne bestehende Strukturen zu gefährden.